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Börse

Der deutsche Fußball auf dem Weg in die 2. Liga

Die Bundesliga verliert weiter an Wettbewerbsfähigkeit – sportlich wie wirtschaftlich

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Neuer Schub durch Christiano Ronaldo: Unter den vergleichsweise wenigen Titeln in Europa ragt derzeit das Papier von Juventus Turin heraus. In den vergangenen drei Jahren verdreifachte sich der Kurs

Der deutsche Fußball steckt nicht erst seit der Weltmeisterschaft in der Krise. Aktuelle Untersuchungen der Wirtschaftlichkeit von Vereinen und deren Wettbewerbsfähigkeit zeigen: Die Deutschen sind auf dem Weg in die 2. Liga.

Cristiano Ronaldo sorgte in diesem Jahr für die größte Überraschung im Vereinsfußball. Der Superstar von Real Madrid und beste Fußballer der Welt wechselte noch einmal den Verein: Ab dieser Saison spielt der 33-Jährige in Italien. Der spektakuläre Wechsel des Portugiesen zu Juventus Turin zeigt einen neuen Trend. Italienische Vereine spielen wieder ganz oben mit im Fußballgeschäft. Kein Wunder ist daher, dass Ronaldo auch den jüngsten Höhenflug der Juve-Aktie einleitete.

Fußball ist ein Wachstumsmarkt – und zugleich ein Nischenmarkt für Investoren. So sind einige Topklubs börsennotiert. Wenn jetzt die neue Bundesliga-Saison startet, werden Anleger auf die Kurszettel schauen.

Der Markt ist nicht einfach, und stärker als bei anderen Investments steckt hinter manchem Kauf nicht kühle Ratio, sondern Liebe zum Verein. Welche Papiere sollte der Anleger sich anschauen, der davon gewöhnlich eine langfristig gute Rendite erwartet? Eine bittere Antwort lautet: Die Bundesliga verliert weiter an Wettbewerbsfähigkeit – sportlich wie wirtschaftlich.

Sportlich war das internationale Abschneiden der deutschen Vereine in der vergangenen Saison so miserabel, dass die Bundesliga im europäischen Fünfjahresvergleich sogar auf den vierten Platz abgerutscht ist, hinter Spanien, England und Italien.

Zwar wächst der Umsatz der Bundesligavereine weiter kräftig. Doch die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte ausgewerteten Vereinsbilanzen für die Saison 2016/17 bestätigen hier ebenfalls den Bedeutungsverlust: Die englische Premier League baut ihren wirtschaftlichen Vorsprung gegenüber der Bundesliga aus, und überdies hat die spanische Liga die deutsche überholt und vom zweiten Platz verdrängt.

Die Ursache für die bessere wirtschaftliche Entwicklung ausländischer Vereine sind neue, mehrjährige TV-Deals, die insbesondere den Ligen in England, Frankreich und Spanien deutliche Umsatzsteigerungen bescherten.

Die italienische Liga liegt gemessen am Umsatz zwar noch deutlich hinter der Bundesliga. Doch Topkicker wie Ronaldo zeigen mit ihren Wechseln, wo aktuell das meiste Geld zur Verfügung steht. Das sind weiter die Topvereine in England, Spanien und Frankreich sowie neuerdings auch wieder italienische Klubs.

Regelmäßig dokumentiert wird die Finanzkraft der Topvereine in den Transferperioden – durch die Ausgaben für neue Spieler. In diesem Ranking ist Juventus Turin aktuell die Nummer eins in Europa.

Kein Verein in Europa hat in den letzten drei Jahren so viel Geld in neue Kicker investiert wie Juve: mehr als 600 Millionen Euro. Damit haben die Italiener sogar die spendablen Eigentümer von Manchester City in diesem Zeitraum übertroffen.

Die Finanzkraft der größten Bundesligaklubs ist dagegen sowohl aktuell als auch in den vergangenen Jahren deutlich schwächer gewesen als jene der Spitzenklubs in England, Spanien, Italien und Frankreich. Im aktuellen Vereinsranking liegt Borussia Dortmund zum Beispiel „nur“ auf Platz 20. In der Drei-Jahres-Bilanz schafft es der BVB auf Platz 14 und der FC Bayern auf den 21. Rang. Dem Anspruch dieser deutschen Spitzenvereine genügt dies nicht.

Ein schlechtes Vorzeichen ist außerdem der Abstand zu den Topteams: Die Top 5 im Ausgabenranking dieses Jahres können zwei- bis dreimal so viel in neue Spieler investieren wie die Dortmunder. Dieser große Unterschied in der Finanzkraft zeigt sich genauso deutlich sowohl im Dreijahresranking der Klubs als auch im Vergleich der großen Ligen.

Während zum Beispiel die Vereine der englischen Premier League aktuell rund 1,4 Milliarden für neue Spieler ausgegeben haben, kommen die Bundesligaklubs „nur“ auf rund 450 Millionen Euro.

Für Investoren im Fußballmarkt bedeuten diese Zahlen: Sie sollten den Geldströmen folgen. Wer am meisten Geld zur Verfügung hat und die besten Spieler verpflichten kann, hat die größten Chancen auf sportliche Erfolge und kräftige Steigerungen von Umsatz und Gewinn. Grundsätzlich sind Fußballaktien aus England und Italien daher derzeit interessanter als jene aus Deutschland.

Unter den vergleichsweise wenigen Titeln in Europa ragt derzeit das Papier von Juventus Turin heraus. In den vergangenen drei Jahren verdreifachte sich der Kurs. Die Aktie von Borussia Dortmund ist in diesem Zeitraum dagegen nur um rund 50 Prozent gestiegen.

Allerdings sind wenige internationale Spitzenklubs an der Börse notiert, außerdem gehören eine Reihe von börsennotierten Vereinen nicht zu den Topligen aus England, Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland. Grundsätzlich wächst der Fußballmarkt zwar kräftig – vor allem dank der Gelder von Investoren, Sponsoren und TV-Anstalten. Doch das gilt vor allem für die Topligen, auf die sich das Interesse von Sponsoren, Investoren und Fans konzentriert.

Bei Vereinen, die weder zu einer der Topligen noch zur europäischen Vereinsspitze gehören, ist das Risiko sportlicher Misserfolge und sich anschließender Kursverluste vergleichsweise hoch.

Von den Vereinen ist in Deutschland nur Borussia Dortmund börsennotiert. Derzeit bewerten nur die Analysten von GSC Research die Aktie mit „kaufen“. Die jüngste Analyse von Edison im Juni wurde dagegen mit dem Zitat überschrieben: „Wir sind absolut nicht zufrieden.“ Kurse knapp unter sechs Euro wurden als „faire“ Bewertung bezeichnet.

Der Aktie fehlt ein Impuls, der durch gute Ergebnisse in der nun startenden Saison kommen könnte. Denn die Basis stimmt nach wie vor: 55.000 Dauerkarten verkaufte der BVB vergangene Saison. Fast 50.000 BVB-Fans stehen auf der Warteliste dafür.

Die Aktie von Juventus Turin wird dagegen – nicht zuletzt wegen Ronaldo – in Internetforen heiß diskutiert. Spekulanten hoffen auf weitere, kräftige Kurssteigerungen. Doch aktuelle Studien zur Aktie sind nicht verfügbar. Das ist typisch für eine Branche, deren Veranstaltungen zwar von Millionen Fans regelmäßig verfolgt werden, die an der Börse aber nach wie vor ein Schattendasein fristet.

Aufhorchen lässt allerdings die prominente Aktionärsstruktur von Juventus Turin: Neben dem Mehrheitseigentümer, der zur Agnelli-Familie gehörenden Exor (63,77 Prozent), haben sich mehr als ein halbes Dutzend Finanzinvestoren nennenswert engagiert.

Zweitgrößter Aktionär ist die Beteiligungsgesellschaft Lindsell Train Ltd (11,06 Prozent). Größere Pakete besitzen auch The Vanguard Group, Blackrock Fund Advisors, Norges Bank Investment Management und Lyxor International Asset Management SAS. Der Free Float der Aktie mit einem Börsenwert von knapp 900 Millionen Euro liegt immerhin bei 36 Prozent.

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