Diese Seite verwendet Cookies.

Mehr erfahren

Hintergrund

Deutsche Bank: Ex-Top-Manager müssen in Haft

Der Italiener Faissola gilt als wichtige Figur im Reich der Scheichs aus Katar

Zurück

Der ehemalige Topmanager der Deutschen Bank, Michele Faissola, wurde wie fast alle anderen Angeklagten zu Haft- und Geldstrafen verurteilt

Er galt schon lange als einer der umstrittensten Ex-Vorstände von Deutschlands größtem Geldhaus. Jetzt soll Michele Faissola nach dem Willen eines Mailänder Gerichts ins Gefängnis. Drei Jahre hatte die Verhandlung vor der auf Wirtschaftskriminalität spezialisierten Kammer des Mailänder Gerichts gedauert. Zahlreiche Nebenkläger hatten sich bereits außergerichtlich geeinigt, jetzt kam das Urteil: Alle Angeklagten sind im Verfahren wegen der Vertuschung von Verlusten der Bank Monte dei Paschi verurteilt worden.

Das trifft sowohl die handelnden Personen als auch Körperschaften wie die Deutsche Bank und die japanische Bank Nomura. Die Anklagepunkte in dem Prozess waren Marktmanipulation, Bilanzfälschung und Behinderung der Regulierungsbehörden.

Auch der ehemalige Topmanager der Deutschen Bank, Michele Faissola, wurde wie fast alle anderen Angeklagten zu Haft- und Geldstrafen verurteilt. Faissola erhielt vier Jahre und acht Monate. Alle wollen nach offenbar in Berufung gehen. In Italien ist ein Urteil erst nach der dritten Instanz rechtskräftig.

Nur zwei ehemalige Manager der Deutschen Bank, die beiden früheren Geschäftsführer (Managing Director) Ivor Scott Dunbar und Matteo Angelo Vaghi, wurden freigesprochen.

Mit diesem Urteil gegen Faissola wird die Deutsche Bank eimal mehr von Ihrer Vergangenheit eingeholt. Denn Michele Faissola zählte zu den engen Vertrauten des ehemaligen Vorstandschefs der Deutschen Bank, Anshu Jain, zuletzt als Chef des Asset Managements. Als Jains Nachfolger John Cryan bei der Deutschen Bank im Oktober 2015 den Vorstand aufräumte, musste auch Faissola die Koffer packen, weil er während der Aufklärung des Libor-Skandals bei der deutschen Finanzaufsicht Bafin in Misskredit geraten war.

Faissolas Zeugenbeistand im Libor-Fall, der kriminellen Manipulation von Zinsen, war übrigens der Jurist Stefan Simon, der dann in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank rückte und von dort als Rechtsvorstand ins Führungsgremium des größten deutschen Geldhauses rückte.

Das ist aber nicht der einzige aktuelle Anknüpfungspunkt für Faissola zum Frankfurter Geldhaus. Als Chef einer Vermögensverwaltung beriet er zuletzt Mitglieder der katarischen Herrscherfamilie Al-Thani, die zusammen mehr als sechs Prozent an der Deutschen Bank halten.

Der Italiener Faissola gilt als eine der wichtigen Figuren im Reich der Scheichs. Seit dem vergangenen Jahr sitzt er im Vorstand der 2014 gekauften Fördergesellschaft Heritage Oil und im Aufsichtsrat der französischen Kaufhauskette Printemps.

Die höchste Strafe in dem Prozess vor dem Mailänder Gericht erhielt mit sieben Jahren und sechs Monaten der ehemalige Verwaltungsratsvorsitzende von Monte dei Paschi, Giuseppe Mussari. Das Gericht blieb nur wenig unter dem Strafmaß, das die Staatsanwaltschaft im Mai gefordert hatte.

Das Gericht verhängte außerdem eine Geldstrafe in Höhe von drei Millionen Euro gegen die Deutsche Bank AG und die Deutsche Bank London sowie Beschlagnahmungen in Höhe von 64 Millionen. Nomura muss 3,45 Millionen Strafe zahlen und es werden 88 Millionen Euro beschlagnahmt. Beide Geldhäuser sind nach einem italienischen Gesetz verwaltungsrechtlich verantwortlich.

Der Fall geht zurück bis zum Jahr 2008. Es ging in dem Verfahren, das die Staatsanwaltschaft Siena 2015 an die auf Wirtschaftskriminalität spezialisierte Staatsanwaltschaft Mailand verlegt hatte, um Derivategeschäfte. Nach Meinung der italienischen Strafverfolger gab es einen illegalen Plan, um Verluste bei Monte dei Paschi mit Hilfe von solchen Geschäften gezielt zu verschleiern. Die Angeklagten sollen dabei geholfen haben, die Bilanzen der Bank aus Siena zu fälschen.

Die Transaktionen hatten die Spitznamen "Santorini" und "Alexandria" nach Hybrid-Fonds, die aufgelegt wurden. Demnach soll die Deutsche Bank 2008 an Monte dei Paschi rund 1,5 Milliarden Euro geliehen haben. Ein dritter Fall, "Fresh 2008" genannt, ist mittlerweile verjährt.

Monte dei Paschi hatte sich damals beim Kauf des Geldhauses Antonveneta mit Sitz in Padua von der spanischen Banco Santander verhoben und war in eine Schieflage geraten. Der Preis betrug seinerzeit zehn Milliarden Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte den angeklagten Institutionen und Personen vorgeworfen, den Gewinn der Bank aus Siena um mehr als eine Milliarde Euro nach oben geschönt zu haben.

Das Ganze kam 2013 ans Licht, erst durch die italienische Bankenaufsicht und dann durch eine Prüfung im Auftrag der deutschen Bankenaufsicht Bafin. Die ergab, dass Mitarbeiter möglicherweise interne Indizes gezielt bewegt haben.

Zurück

The next big story

Haben Sie die nächste große Geschichte?

Möchten Sie diese mit dem :gerlachreport teilen?

Wir bieten Ihnen viele Möglichkeiten, sich mit unseren Journalisten in Verbindung zu setzen und Materialien zu liefern. Kein Kommunikationssystem ist völlig sicher, aber unsere Möglichkeiten werden helfen, Ihre Anonymität zu schützen.

Bitte senden Sie keine Rückmeldungen, Story-Ideen, Pitches, Leserbriefe oder Pressemitteilungen über diese Kanäle.

Für eine allgemeinere Korrespondenz nutzen Sie bitte unsere regulären E-Mail-Adressen.

Ihr sicherer Kontakt

Neben unseren regulären E-Mail-Adressen haben wir für vertrauliche Nachrichten und Mitteilungen ein Postfach eingerichtet, das über Pretty Good Privacy (PGP) verfügt und absolut sicher ist:

redaktion.dta@protonmail.com

Bitte hinterlassen Sie auf jeden Fall eine Telefonnummer. Wir rufen Sie innerhalb kürzester Zeit zurück.

E-Mails an die Redaktion oder Chefredaktions-Adresse werden durch die Sicherheitsabteilung überprüft. Es kann vorkommen, dass für die Verifizierung des Absenders ein Personennachweis angefordert wird, wenn der Verdacht einer Identitätsfälschung vorliegt oder vorliegen könnte.

Was ist ein guter Tipp?

Ein starker News-Tipp hat mehrere Komponenten.

Die Dokumentationen oder Nachweise sind wichtig.

Spekulationen können spannend sein. Verdächtigungen oder Behauptungen, die einer Überprüfung nicht standhalten, sind es nicht.

Eine guter Nachrichten-Tipp beschreibt ein klares und verständliches Problem. Die Suche nach Hilfe, weil großer Schaden oder Leid angerichtet wurden. Falsche Verdächtigungen helfen niemandem und führen nicht zu einer Veröffentlichung.

Aber lassen Sie sich nicht abschrecken. Manchmal ist ein kleiner Hinweis das fehlende Puzzlestück in einem gesamten Themenkomplex, der von uns ohnehin bearbeitet wird. Besonders wichtig: Hinterlassen Sie bitte eine Kontakt-Telefonnummer.

Gute Tipps sind:

Hier ist ein Beweis dafür, dass in einer Behörde, Organisation oder einem Verband gemauschelt, getrickst und getäuscht wird.

Hier ist der Beweis dafür, dass Anlegergelder falsch oder illegal benutzt werden.

Hier ist der Beweis, dass betrogen, unterschlagen oder veruntreut wird.

Hier ist der Beweis für Täuschung, falsche Versprechen und üble Abzocke.

Wir kontrollieren alle Nachrichten regelmäßig, können aber nicht versprechen, dass jeder Informant umgehend eine individuelle Antwort erhält.

Sämtliche Kommunikation unterliegt der strikten Vertraulichkeit.