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Geld

Deutsche verlieren jeden Tag immer mehr Vermögen

Weidmann: „Den Unmut der Sparer über die Niedrigzinsen kann ich gut verstehen“

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Die EZB will nur noch bis Ende dieses Jahres Anleihen kaufen und hat für die zweite Jahreshälfte 2019 eine erste Zinserhöhung angedeutet

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank erhitzt seit Jahren in Deutschland die Gemüter. Vor allem Sparer schimpfen, seit die EZB den Leitzins nach der Finanzkrise immer weiter gesenkt hat. Seit März 2016 liegt er auf dem historischen Tiefstwert von null Prozent.

Bislang konnten sich Anleger zumindest dadurch trösten, dass die geringen Erträge auf Spareinlagen teilweise durch Kursgewinne bei Aktien kompensiert wurden. Im ersten Quartal 2018 jedoch ist die Gesamtrendite, die ein durchschnittlicher Privathaushalt in Deutschland abzüglich der Teuerung – also real – mit seinem angelegten Geldvermögen erzielte, erstmals seit sechs Jahren ins Minus gerutscht.

Anfang 2018 lag die Rendite hierfür bei minus 0,8 Prozent, wie aus dem aktuellen Monatsbericht der Bundesbank hervorgeht. Diese berücksichtigt dabei Bargeldbestände, Ansprüche gegenüber Versicherungen sowie Anlagen in Aktien und Fonds. Die negative Rendite ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass es im ersten Quartal Kursverluste am Aktienmarkt gab. Außerdem wirkt sich die etwas gestiegene Inflation aus. 2016 lag die Preissteigerung noch bei 0,5 Prozent – im Juli hingegen lag die Rate bereits bei 2,0 Prozent.

Dies dürfte die seit Jahren kontrovers geführte Debatte zwischen Gegnern und Befürwortern der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wieder anfachen. „Den Unmut der Sparer über die Niedrigzinsen kann ich gut verstehen“, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Ihre Altersvorsorge bauen Sie aber über mehrere Jahrzehnte auf. Das relativiert die aktuelle Zinssituation etwas. Und auch negative Realzinsen gab es durchaus schon in der Vergangenheit.“

Mit negativen Realzinsen ist gemeint, dass das verzinste Sparvermögen nach Abzug der Inflation schrumpft. In einer Studie kommt die Bundesbank etwa zu dem Fazit, dass negative Realzinsen „in den vergangenen Jahrzehnten eher die Regel als die Ausnahme“ waren. Früher waren zwar die Zinsen viel höher, die Inflation war allerdings noch höher.

Befürworter verweisen darauf, dass Deutschland und letztlich die Sparer hierzulande auch in vielerlei Hinsicht von der EZB-Politik profitieren. So hat etwa der Bund seit Ausbruch der Finanzkrise 162 Milliarden Euro beim Schuldendienst gespart. Länder und Gemeinden profitierten ebenfalls. Letztlich kommt dies auch jedem Einzelnen zu Gute, entweder in Form zusätzlicher staatlicher Leistungen oder niedriger Steuern. Zudem können sich viele Privatleute dank der niedrigen Zinsen heute den Wunsch nach einem Eigenheim erfüllen.

Befürworter der EZB-Politik führen auch das aktuell robuste Wachstum in Deutschland zum Teil auf die Niedrigzinspolitik der EZB zurück. So ist die deutsche Wirtschaft seit nunmehr acht Jahren ununterbrochen gewachsen und die Arbeitslosigkeit so niedrig, wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Langfristig können die Sparer auch wieder auf höhere Zinsen hoffen. Weidmann, der im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) über den Kurs der Geldpolitik im Euro-Raum mitentscheidet, verwies in dem Interview auf die jüngsten Weichenstellungen der EZB: „Die Zinsen (werden) im Zuge der geldpolitischen Normalisierung auch wieder steigen.“ Die EZB will nur noch bis Ende dieses Jahres Anleihen kaufen und hat für die zweite Jahreshälfte 2019 eine erste Zinserhöhung angedeutet.

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