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Facebook

Gigantischer Datenmissbrauch kommt vor Gericht

Facebook hat Konzerne offenbar private Nachrichten von Nutzern lesen lassen

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Aus Sicht des Generalstaatsanwalts der US-Hauptstadt Washington hat Facebook Nutzerdaten nicht ausreichend geschützt und Kunden getäuscht

Der Generalstaatsanwalt der US-Hauptstadt Washington hat Facebook wegen des Datenmissbrauchs durch die Firma Cambridge Analytica verklagt. Facebook hatte im März zugegeben, dass Cambridge Analytica die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern des sozialen Netzwerkes in die Hände bekommen und im US-Wahlkampf zugunsten von Donald Trump eingesetzt hatte. Generalstaatsanwalt Karl Racine erklärte, Facebook habe es versäumt, die Daten seiner Nutzer zu schützen. Außerdem habe das Unternehmen seine Kunden darüber getäuscht, wer Zugang zu den Daten habe und wie sie genutzt würden. Die Nutzer seien dem Risiko einer Manipulation ausgesetzt worden. Facebook reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage um Stellungnahme.

Doch damit reißt der Ärger nicht ab. Neue interne Dokumente zeigen: Facebook hat Konzernen wie Microsoft oder Amazon weitaus größeren Zugang zu Nutzerdaten gewährt als bisher bekannt. Der Skandal ist noch größer als bisher angenommen: Facebook hat über Jahre hinweg großen Konzernen wie Microsoft, Amazon und Spotify weitaus größeren Zugang zu Nutzerdaten gewährt als bislang bekannt. Das geht aus internen Dokumenten des sozialen Netzwerks hervor, die der „New York Times“ vorliegen.

So ermöglichte Facebook etwa Microsofts Suchmaschine Bing, ohne Zustimmung alle Namen von Freunden eines Nutzers einzusehen. Den Streamingdiensten Netflix und Spotify war es erlaubt, private Nachrichten von Facebook-Usern zu lesen.

Dem Online-Händler Amazon gab Facebook die Möglichkeit, an Namen und Kontaktinformationen von Freunden eines Nutzers zu gelangen. Und noch bis Sommer dieses Jahres ließ das Netzwerk Yahoo Pinwand-Einträge von Freunden einsehen, trotz öffentlicher Bekundungen, diese Art des Datenaustauschs vor Jahren eingestellt zu haben.

Facebook ist immer wieder wegen des Umgangs mit Daten in die Kritik geraten. Besonders hohe Wellen schlug der Skandal um die Beratungsfirma Cambridge Analytica. Die Berater, die während des US-Präsidentschaftswahlkampfes 2016 für Donald Trump tätig waren, hatten die Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern erhalten.

Erst kürzlich hatte ein britischer Abgeordneter Hunderte interne Dokumente veröffentlicht, die Einblick in die Geschäftspraktiken des sozialen Netzwerks gaben. Sie zeigten auch, dass Facebook nicht nur bestimmte Konzerne mit Daten versorgte, sondern Konkurrenten bewusst den Zugang verweigerte, wie etwa im Fall von Vine, dem Videodienst von Twitter.

Laut „New York Times“ profitierten mehr als 150 Firmen von den Absprachen – die meisten davon Online-Händler und Unterhaltungsseiten, aber auch Autohersteller und Medienorganisationen gehören dazu. Und offenbar hatten alle bis ins Jahr 2017 bestand, einige galten sogar noch in diesem Jahr.

2011 hatte sich Facebook gegenüber der für Verbraucherschutz und Wettbewerb zuständigen Federal Trade Commission (FTC) dazu verpflichtet, keine Nutzerdaten ohne Zustimmung der Betroffenen weiterzugeben. Nach Aussage des für Privatsphäre zuständigen Managers Steve Satterfield habe keine der Partnerschaften die Privatsphäre der Nutzer oder die Vereinbarung mit der FTC verletzt. Die neuesten Erkentnisse lassen daran große Zweifel.

Doch kürzlich war bereits bekannt geworden, das das weltgrößte Internetnetzwerk einigen Unternehmen wie Netflix und Airbnb bevorzugten Zugang zu bestimmten Nutzerdaten. Dies soll 2015 geschehen sein, wie aus Dokumenten hervorgeht, die ein britischer Abgeordnete von dem App-Entwickler Six4Three bekommen hatte. Auch die Dating-App Badoo sowie der Fahrdienst Lyft hätten Zugriff auf Daten gehabt. Diese sollen dann eine besonderen Zugang zu den Daten erhalten haben. Auch Apps, die dafür sorgen sollten, das Nutzer mehr Zeit auf Facebook verbringen, sollen Daten zur Verfügung gestellt worden sein.

Doch nicht jedes Unternehmen kam in den Genuss des Datenschatzes: Wie aus den Unterlagen hervorgeht, war Facebook restriktiv gegenüber seinen Rivalen. So soll es beispielsweise eine Liste mit Konkurrenten gegeben haben, die Chef Zuckerberg persönlich abgesegnet haben soll. Anhand dieser Liste soll dann der Zugang zu Datenpunkten verwehrt worden sein.

Konkretes Beispiel: Ein veröffentlichter E-Mailverkehr zwischen Zuckerberg und einem Mitarbeiter aus dem Jahr 2013. In diesem Jahr führte Twitter seinen Kurzvideodienst Vine ein, der auch mit Facebook-Freunden geteilt werden konnte. Ein Facebook-Mitarbeiter soll daraufhin in einer E-Mail unter Hinweis auf die Bedrohung für die eigene Plattform an den Chef vorgeschlagen haben, den Zugang von Vine zu den Facebook-Daten abzutrennen. Zuckerbergs knappe Antwort, so wollen es die veröffentlichten Dokumente belegen: „Yup, go for it“ („Ja, tue es“).

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