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Karatbars

Harald Seiz: Der selbsternannte König ohne Gold

Karatbars dementiert Berichte: Untersuchungen in Florida bestätigen die Vorwürfe

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Harald Seiz und sein Team: Es wird ja für den "King of Gold" nicht schwer sein, seine Schatzkammern zu öffnen und die offenen Fragen zu klären. Am Ende glauben noch alles, Karatbars sei ein Betrug

Harald Seiz nennt sich gerne selbst "King of Gold". Doch tatsächlich ist er ein König ohne Gold. Stimmen die Vorwürfe, dann ist sein Unternehmen Karatbars ein Schneeballsystem. Obwohl das Unternehmen vehement bestreitet, dass Floridas Aufsichtsbehörden das Unternehmen untersucht, haben Recherchen in Miami den Vorwurf bestätigt. Schlimmer noch: Die zu Seiz gehörende Kryptobank besitzt keine Lizenz - damit erfüllt der König alle Vorgaben, um am Ende im Knast zu landen.

Und wenn das noch nicht ausreicht: Recherchen von :gerlachreport in Südafrika und Madagascar haben ergeben, dass das Stuttgarter Unternehmen weder mittel- noch unmittelbar Besitzer einer Goldmine oder aber "nennenswerter Goldbestände" ist. In beiden Ländern sehen die jeweiligen Gesetze offene Eigentumslisten voraus - Karatbars findet dort nicht statt. Auch das hat bei den Kontrolleuren in Miami Alarm ausgelöst.

Karatbars betreibt eine Kryptowährung, die angeblich mit Gold unterlegt sein soll. Zusätzlich zur eigenen Kryptowährung verkauft Karatbars online Goldprodukte über ein Affiliate-Marketing-Programm. Drei Länder waren inzwischen vor Karatbars.

Die Karatbars International GmbH hat behauptet, dass sie 100 Millionen Dollar durch ein erstes Münzangebot (ICO) im Jahr 2018 erhalten hat. Harald Seiz und seine goldenen Mitstreiter wollen im Dezember 2019 einen weiteren Token-Verkauf durchführen.

Das Unternehmen behauptet, dass der ICO 2018 durchgeführt wurde, um Mittel für die angeblich goldbestückte KaratGoldCoin (KBC) zu sammeln. In diesem Jahr wirbt Karatbars für eine "Karat-Bank-Coin", die angeblich mit einer in Miami tätigen "Krypto-Bank" verbunden ist.

Katie Norris, Direktorin des Florida Office of Financial Regulation (OFR): "Karatbars ist nicht zugelassen. Es werden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt. Mehrere Ermittlungsbehörden sind eingeschaltet. Es geht um Wire Fraud, illegale Geldgeschäfte, Geldwäsche und andere Delikte."

Karatbars wurde 2011 von Harald Seiz gegründet. Kurze Zeit später gäbe es die ersten Warnungen: 2014 forderte die Autorité des Marchés Financiers (AMF) in Quebec die Investoren auf, "bei Kararbars vorsichtig zu sein". Bemängelt wurden die Unternehmensstrukturen und Methoden.

Für die niederländischen Aufsichtsbehörden ist Karatbars ein "Schneeballsystem", selbst im afrikanischen Namibia wird gewarnt: "ein illegales Pyramidenmodell".

Trotz dieser Probleme wird der KBC-Token von Karatbars von über 30 Digital Asset Börsen unterstützt, darunter Yobit und HitBTC. Der Token wurde auch von dem exzentrischen Krypto-Enthusiasten John McAfee beworben.

Die auf Ethereum Blockchain basierende KBC-Coin wurde im April 2018 über ein ICO verkauft und soll 100 Millionen Dollar eingebracht haben. Seit Mitte 2018 wird der KBC-Token laut CoinMarketCap-Daten zu Bruchteilen eines Penny gehandelt. Die Marktkapitalisierung des Tokens liegt bei rund 92 Millionen Dollar.

Karatbars behauptet, dass das Gold, das seinen KBC-Token hinterlegt, aus Fort Dauphin in Madagaskar abgebaut wurde. Offenbar eine Lüge von Harald Seiz:
"Wir können mitteilen, dass es in Madagaskar keine Goldmine Fort Dauphin gibt und Karatbars keine Bergbauerlaubnis in Madagaskar besitzt", heißt es lapidar von den Bergbaukontrolleuren."

Nachdem die ersten massiven Vorwürfe gegen Harald Seiz und sein Unternehmen bekannt wurden, sah sich der Stuttgarter Unternehmer zu einer Stellungnahme genötigt:

"Das deutsche Gold- und Technologieunternehmen Karatbars wendet sich vehement gegen aktuelle Gerüchte", heißt es. Harald Seiz, CEO von Karatbars, sieht eine „Schmutzkampagne“ gegen sein Unternehmen: "Diese Gerüchte und Vorwürfe sind haltlos."

Harald Seiz sagt, dass ihm von Ermittlungen in Florida nichts bekannt sei. Das verwundert nicht, da die Strafermittlungen noch in vollem Gange sind und bis zur Befragung der Ermittler ein Beschuldigter nichts davon erfährt. Tatsache ist, dass sich in Miami bis zur Stunde noch kein Rechtsbeistand für Karatbars gemeldet und oder Aufklärungen verlangt wurden. Zudem: Seiz müsste persönlich in Florida erscheinen. Das ist nicht ungefährlich: Für derartige Straftaten gibt es in der Regel mindestens 25 Jahre.

Seiz: „Wir sind vollkommen transparent. Wir haben nichts zu verbergen. Wenn es offene Fragen gibt, werden wir sie klären“, sagt Seiz.

"Chairman of the Board" Josip Heit: „Es gibt keinen Grund zu Beunruhigung. Wir liegen mit all unseren Projekten im Plan und werden mit allen Kräften vehement gegen Attacken und verleumderische Kampagnen vorgehen. Der KBC ist weltweit auf Rang 55. Wir steuern zum Ende diesen Jahres auf eine Million zufriedene Kunden zu. Diese Fakten sind der beste Beweis für unseren Erfolg und die Nachhaltigkeit unseres Geschäftskonzeptes“.

Karatbars kündigte zudem für die nächsten Wochen eine groß angelegte Informationskampagne für Investoren, Kunden, Medien und Behörden an. Man habe großartige und sehr vielversprechende Pläne – gerade im Bereich Blockchain – und wolle noch umfangreicher und gezielter als in der Vergangenheit die Öffentlichkeit informieren.

Das Problem wäre dabei ganz einfach zu lösen: Seiz, Heit und seine Mitstreiter könnten einfach mal das Gold zeigen, das sie angeblich haben. Sogar in Stuttgart muss es dafür entsprechende Testate und Unterlagen geben.

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