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Medien

Hessen-Depesche: „Organisierte Fake News“

Jetzt werden sogar arabische Terroristen und Betrüger unterstützt

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Chefredakteurin Angela Prokoph-Schmitt wollte Bürgermeisterin werden. Als das nicht klappte wurde sie Chefredakteurin für Fake News. Jetzt arbeitet sie mit arabischen Terroristen zusammen

Rechtslastige Publikation und dubiose Verbindungen zur CDU: Die Spur der Hessen-Depesche führt zwar nach Berlin. Aber die Verantwortlichen sitzen in Seligenstadt und Mainhausen.

Von Katrin Stassig und Michael Hofmann
Redaktion Offenbach-Post

Die Spekulationen über mögliche Verbindungen der Hessen-Depesche und diverser Schwester-Plattformen zu NPD-nahen Kreisen sind kaum zielführend. Viel interessanter: Wer steckt hinter dem dubiosen Netzwerk und den beteiligten Firmen? Als Quellen dienen Hinweise von Lesern, Internetrecherchen und eine Firmenauskunft der Creditreform.

Im Impressum der Depeschen ist aktuell die Popularen Network GmbH mit Sitz in Berlin aufgeführt. Deren Geschäftsführerin ist Angela Prokoph-Schmitt, CDU-Mitglied aus Mainhausen und 2015 Bürgermeisterkandidatin in Seligenstadt. Das Unternehmen hat die Nachrichten-Plattformen Anfang 2017 übernommen, seit Juni ist Prokoph-Schmitt auch Redaktionsleiterin der Hessen-Depesche.

Die Popularen GmbH („Unternehmensberatung und Verlagswesen“) wurde am 26. Januar 2017 beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg mit der Nummer 183473 B ins Handelsregister eingetragen. Laut Registerbekanntmachung vom 20. April wurde das Stammkapitel durch Beschluss der Gesellschafterversammlung vom 6. Februar um 31 000 auf 56 000 Euro erhöht und der Gesellschaftsvertrag geändert. Vier Eigentümer sind mit unterschiedlichen Anteilen beteiligt.

Neben einer Beratungsagentur mit Sitz in Berlin (Beteiligung: 25.000 Euro) sind das Verena Rohrböck aus Seligenstadt (25.000 Euro), Alexander Schloss aus Mainhausen (5000 Euro) und Manfred Stolz aus Mainhausen (1000 Euro); beileibe keine Unbekannten, sondern allesamt CDU-Mitglieder: Schloss ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender in Mainhausen, Stolz sein Parteifreund.

Betroffen ist auch die CDU Seligenstadt. Da geht es vordergründig nicht um den umtriebigen Tom Rohrböck, bis Anfang 2001 als Stadtverbandsvorsitzender und Präsident des Wirtschaftsforums einer der Meinungsführer in der Einhardstadt, sondern um seine Schwester Verena, die auf der CDU-Internetseite als Pressesprecherin geführt wird, aber seit der Kommunalwahlniederlage der CDU 2016 und ihrem schlechten Abschneiden kaum mehr in Erscheinung getreten ist.

Nach seiner spektakulären Abwahl im Herbst 2001 wurde Tom Rohrböck als Geschäftsführer mehrerer Firmen (Flirtlife, Rohrböck-Unternehmensberatungen, Handelshaus Dworacek) aktiv. Auffällig und medienwirksam waren seine Auftritte als Moderator von Expertenrunden in Österreich und in Deutschland, an denen illustre Gäste aus Wirtschaft, Medienwelt und dem rechten Spektrum teilnahmen, unter anderem der im Oktober 2008 gestorbene frühere Landeshauptmann und FPÖ-Chef Jörg Haider.

Auch vor der Übernahme der Depeschen durch die Popularen führten Spuren nach Mainhausen und zur örtlichen CDU. Seit die Hessen-Depesche Anfang 2015 erstmals im Netz erschien, fiel die Seite durch das häufig wechselnde Impressum auf. Als Betreiberin waren eine 08/15-Insomnia-Media mit Sitz in Rumänien und Neuseeland, eine Yajun Wintorp Media GmbH mit Sitz in Frankfurt und eine Mens-Media-GmbH mit Sitz in Rüsselsheim genannt. Als Geschäftsführer taucht unter anderem der Mainhausener CDU-Politiker Jörg Alexander Kroiß auf.

Auf der Webseite der Popularen GmbH ist von einer Zusammenarbeit mit der Oxford Capital Group Ltd. der Frankfurter Rechtsanwältin Beate Hofmann zum „Ausbau des gemeinsamen Mediengeschäfts“ zu lesen. Diese Firma mit Sitz in London, gegründet Dezember 2016, ist nicht zu verwechseln mit der renommierten Oxford Capital Group LLC in Chicago. Hofmann scheint die einzige Mitarbeiterin zu sein, Aktivitäten sind nicht erkennbar.

Einer von vielen weiteren dubiosen Vorgängen: Warum gibt die Popularen GmbH mit Sitz an der Friedrichstraße 171 in Berlin im Internet eine falsche Registernummer an, nämlich HRB 173130, die zur Deutsche Wohnen Berlin gehört? Eine Adresse übrigens, die sich in einschlägigen Kreisen größter Beliebtheit erfreut. Fragen, die wir gern Angela Prokoph gestellt hätten. Auf eine Interviewanfrage der Redaktion hat sie bisher nicht reagiert. Auch die örtliche CDU hält sich mit Stellungnahmen bedeckt.

Die SPD Mainhausen mahnt an: Es gehe nicht nur um Veröffentlichung von Nachrichten aus dem rechten Lager, sondern um „vorsätzlich organisierte Publikation von Fake News“.

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