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Boris Becker

61 Millionen Schulden: Bobbeles Schlacht in England

Großes Medienspektakel über den ganz normalen britischen Insolenz-Alltag

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Boris Becker als Aufmacher bei BILD: Der "Druck" ist ein völlig normaler Vorgang im britischen Insolvenzrecht - normalerweise ist man spätestens nach 18 Monaten seine Schulden los. Wenn man seine Hausaufgaben macht

Das britische Wirtschaftsministerium will nach eine Insolvenzbeschränkung gegen Boris Becker erwirken. Das könnte für den 51-Jährigen weitreichende Konsequenzen haben. Das berichtet aktuell der SPIEGEL. Er widmet der deutschen Tennislegende sogar eine Titelgeschichte über den Niedergang seiner beruflichen und wirtschaftlichen Existenz. BILD berichtet sogar von "Druck" auf Boris Becker.

Tatsächlich ist der "Fall Boris Becker" weit weniger staatstragend, als dieses den Anschein hat. Zahlreiche deutsche Pelztiers haben in der Vergangenheit in England ihre Privatinsolvenz durchgezogen. Das ist einfach: Nach einer sechsmonatigen Frist kann jeder, der in England lebt und diese nachweisen kann, eine Privatinsolvenz machen. Nach einem Jahr, in vielen Fällen sogar schon früher, ist man seine Schulden los. Der Vorteil: Diese Insolvenz wird in ganz Europa verbindlich anerkannt.

Das englische Insolvenzrecht unterliegt dabei einer besonderen Kontrolle und Überprüfung. Kommt es zwischen dem Pelztier und seinem ihm zugewiesenen "Sachbearbeiter" oder auf deutsch "Insolvenzberater" zum Knatsch, schreitet das Wirttschaftsministerium ein. Das macht es auch bei Herrn Müller und Frau Meier.

Im Fall Boris Becker hat das Wirtschaftsministerium genau das gemacht. Als einzige Behörde kann sie einen Antrag auf Insolvenzbeschränkung stellen, der dann vom Gericht zu entscheiden ist. Das ist weder spektakulär, noch außergewöhnlich. Allein: Im Fall der 51-Jährigen Tennislegende ist das Verfahren von "besonderem öffentlichen Interesse". Zumal auch die Frage geklärt werden muss, welche Rolle tatsächlich der gekaufte Diplomatenpass hatte und woher Boris Becker die halbe Million Euro nahm, die der Betrüger Stephan Welk eingesteckt hat. Und: Wenn Becker das Geld zurückerhalten hat, wo ist es jetzt?

"Wir können bestätigen, Boris Becker schriftlich über die Pläne des Wirtschaftsministers informiert zu haben, eine Insolvenzbeschränkung gegen ihn anzustreben", heißt es in einer Mitteilung der staatlichen Insolvenzbehörde, die dem Wirtschaftsministerium untersteht. Nach SPIEGEL-Informationen wird noch vor Weihnachten über den Antrag verhandelt. Auch das ist juristischer Alltag.

Eine Insolvenzbeschränkung, im Englischen Bankruptcy Restriction Order (BRO), kann angeordnet werden, wenn das Verhalten des Schuldners in einem Konkursverfahren als unehrlich oder leichtsinnig eingestuft wird. Mögliche Gründe sind zum Beispiel Vermögensverschwendung oder betrügerisches Verhalten.

Gibt das Gericht dem Antrag des Wirtschaftsministeriums statt, drohen Becker weitreichende Konsequenzen. Unter anderem erschwert eine BRO einem Schuldner für bis zu 15 Jahre, an einen Kredit über mehr als 500 Pfund zu gelangen oder ein Unternehmen zu führen.

Beckers Insolvenzverfahren läuft seit Juni 2017; 14 Gläubiger haben Forderungen von 61,5 Millionen Euro angemeldet. Der Insolvenzverwalter hatte sich in diesem Jahr über Beckers mangelnde Kooperationsbereitschaft beschwert. Zudem hatte es Irritationen um die Frage gegeben, ob Becker aufgrund eines angeblichen Diplomatenstatus Immunität genießt; jüngst hatte er allerdings mitgeteilt, sich nicht mehr darauf zu berufen.

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