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Verbraucher

700 Mio. Schaden: 1,9 Mio schauen illegal Pay-TV

Fernsehpiraterie ist zu einer millionenschweren Konsumgewohnheit pervertiert

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36 Prozent der Piratenseher würden für ein entsprechendes legales Angebot auch zahlen: im Schnitt 18 Euro im Monat

Samstags, wenn die Fußball-Bundesliga live zu sehen ist, werden deutsche Fernsehzimmer zum Tatort. Die Delinquenten nutzen dann keinen der offiziellen Pay-TV-Sender, sondern kostenlose, aber illegale Angebote: Streamingdienste, installierte Mediaplayer („Kodi“) oder „simulierte“ Smartcards. In aller Stille hat sich Fernsehpiraterie zu einer Konsumgewohnheit ausgeweitet – mit einem jährlichen Wirtschaftsschaden von 700 Millionen Euro.

Diese Zahl steht in einem wissenschaftlichen Gutachten der Beratungs- und Forschungsgruppe Goldmedia. Danach nutzen immerhin 1,9 Millionen Deutsche regelmäßig illegale Live-TV-Signale. :gerlachreport erfuhr: Die Zahlen sind weiter steigend. Und damit der Schaden.

Die kriminelle Nutzung solcher alternativen Live-Dienste sei „ein Massenphänomen mit gravierenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen“, heißt es in der Untersuchung. Für private Medienanbieter kämen die illegal gekaperten und am Rechteinhaber vorbei vermarkteten TV-Bilder einer „Enteignung“ gleich.

Offenbar schaffen sich vor allem Männer (81 Prozent der Nutzer) sowie 18- bis 23-Jährige (29 Prozent) eine angenehme kostenfreie Gegenwelt zu Anbietern wie Sky, Eurosport, Pro Sieben (Maxdome) und RTL. Auch 270.000 Kinder sind gemäß dabei. Die wenigsten empfinden dabei ihr Verhalten als ungesetzlich. 25 Prozent sehen es sogar als „vollkommen in Ordnung“ an, fast jeder Zweite sieht immerhin eine „rechtliche Grauzone“, referiert das Forschungspapier.

Womöglich hängen die auffälligen Werte ja auch damit zusammen, dass der Zugang zu solchen illegalen Methoden durchweg als sehr einfach empfunden wird. Nullpreis und Bequemlichkeit werden als Hauptgrund für die eigene Ausweichstrategie genannt.

Der gewöhnliche deutsche Fernsehpirat ist nach den jüngsten Erkenntnissen kein unbekanntes Wesen mehr. Er ist zu 43 Prozent an Fußball und zu 33 Prozent an Spielfilmen und Serien interessiert, die es zu knacken gilt. Geschaut wird zumeist per PC oder Laptop, 48 Prozent nutzen aber auch das Smartphone. Und pro Session schaut dieses besondere Publikum 79 Minuten zu.

Der hohe volkswirtschaftliche Gesamtschaden errechnet sich aus den Umsatzverlusten, die bei den offiziellen Bewegtbild-Anbietern wie Sky entstehen (430 Millionen Euro). Hinzu kommen entgangene Steuern und Sozialabgaben (100 Millionen) sowie Umsatzeinbußen in vor- und nachgelagerten Märkten, zum Beispiel bei Mediatheken oder in der Gastronomie und Sportbars (170 Millionen).

Der Privatsenderverband erklärt in einer Reaktion auf die Studie, dass die „Signalintegrität“ geschützt werden müsse. Die Rechtsdurchsetzung müsse „eine Priorität der Medien- und Wirtschaftspolitik sein“. Andernfalls drohten erhebliche Negativfolgen für den Produktionsstandort und die Medienvielfalt in Deutschland.

International haben sich in etlichen Staaten TV-Piraten etabliert. In Saudi-Arabien hat zum Beispiel der Sender BeoutQ offenbar die deutsche Bundesliga und die Fußball-WM ohne Rechte gezeigt.

Immer wieder sorgen auch in Deutschland Fälle für Schlagzeilen, in denen trickreich das Gesetz umgangen wird. So ermittelte die Polizei in Bayern jüngst gegen einen 27-Jährigen, der manipulierte Receiver für den Empfang von Pay-TV-Bildern vertrieben haben soll. Die Zentralstelle Cybercrime Bayern und die Kripo Rosenheim machten 500 Kunden des TV-Chefpiraten ausfindig. Notizen aus der Provinz, die auf einen ungewöhnlichen Fernsehalltag schließen lassen.

Aber: 36 Prozent der Piratenseher würden für ein entsprechendes legales Angebot auch zahlen: im Schnitt 18 Euro im Monat.

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