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Boris Becker

Insolvenz geht weiter: "Ich bin kein Diplomat mehr"

Nach den Berichten im :gerlachreport war die Karriere des Tennis-Idols zu Ende

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Das waren noch glückliche Zeiten: Boris Becker bekommt seinen Diplomatenpass. Betrüger und Hochstapler Stephan Welk (li.) kassierte dafür 500.000 Euro. Er soll Becker das Geld noch nicht zurückgezahlt haben

Boris Becker ist kein Diplomat mehr. Die deutsche Tennis-Ikone hatte dem Betrüger Stephan Welk 500.000 Euro in bar übergeben und im Gegenzug einen Diplomatenpass bekommen. :gerlachreport hatte darüber umfassend berichtet. Jetzt kam in London heraus: Becker hat den Diplomatenpass zurückgegeben. Stephan Welk, angeblicher Doktor, Professor, Diplomat und Tausendsassa der Betrugsszene soll Becker aber nur einen "kleinen Teil" des Betrages erstattet haben.

Boris Becker soll in England auf einem Schuldenberg von rund 60 Millionen Euro sitzen. Da war Betrag für den Diplomatenpass geradezu ein Schnäppchen. Mit dem Diplomatenpass wollte Boris Becker diplomatische Immunität in Anspruch nehmen. Seine Schulden wären damit hinfällig geworden.

Stephan Welk ist als Hintermann in zahlreiche große Betrugsfälle verwickelt: Im Milliardenbetrug des kriminellen Netzwerkes von OneCoin hat er ebenfalls führende Personen mit Diplomatenpässen und ukrainischen Papieren versehen. Welk lebt bis heute offiziell in Dresden, wo er auch wegen Betrugs verurteilt wurde. Diplomatenpässe besorgt er über die Botschaften der Zentralafrikanischen Republik, Sao Tomé, Mali, Ruanda, Burundi oder den Libanon.

Boris Becker brachte seinen Diplomatenstatus ins Spiel, um in dem Insolvenzverfahren nicht mehr belangt zu werden. Doch darauf beruft er sich nun nicht mehr, das Verfahren in London geht weiter. Weder der 51-jährige ehemalige Tennisstar noch seine Anwälte tauchzen jetzt zu dem Termin am High Court im Zentrum von London auf. Anwesend waren nur der Richter, vier Anwälte der Gegenseite und eine Handvoll Journalisten.

Bei der Anhörung ging es um die Frage, ob sich Becker weiter darauf berufen kann, dass ihn seine Gläubiger wegen seiner diplomatischen Immunität nicht belangen können. Becker hatte im laufenden Verfahren erklärt, er besitze einen Diplomatenpass der Zentralafrikanischen Republik. Er sei Attaché für Sport, Kultur und humanitäre Angelegenheiten des Landes.

Der Botschafter der Zentralafrikanischen Republik in Brüssel bestätigte zwar, dass Becker ein offizieller Diplomat seines Landes sei. Außenminister Charles Armel Doubane bestritt dies jedoch vehement und sprach von einer "inoffiziellen Position". Mehr noch: Der Pass sei eine "Fälschung". Becker selbst beharrte darauf, alles sei in bester Ordnung.

Doch plant Becker nicht länger, an dieser Linie festzuhalten. Die Anwälte der Gläubiger erklärten bei dem Termin am High Court, Becker habe ihnen mitgeteilt, dass er sich nicht weiter auf seinen Diplomatenstatus berufen werde. Anwalt Tony Beswetherick sagt, Becker habe ihm in einer Email geschrieben, er sei "finanziell nicht in der Lage", seine diplomatische Immunität weiter geltend zu machen. Der Richter entschied daraufhin, Beckers Insolvenz auf unbestimmte Zeit zu verlängern.

Die Frage, wie lange die Insolvenz Beckers gelten soll, war in den vergangenen Monaten der Knackpunkt in dem Verfahren. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Londoner High Court Becker auf Antrag der Privatbank Arbuthnot Latham & Co. für insolvent erklärt. Die Bank forderte von dem Ex-Tennisstar mehr als elf Millionen Euro. Daraufhin meldeten sich immer mehr Gläubiger, unter ihnen ein Schweizer Geschäftsmann, der von Becker etwa 40 Millionen Euro verlangte.

In Großbritannien laufen Insolvenzverfahren allgemein so ab, dass ein Konkursverwalter auf das Vermögen des Betroffenen Zugriff erhält und gegebenenfalls Teile davon verkauft. Nach bereits einem Jahr endet das Verfahren, und der Betroffene ist auf einen Schlag schuldenfrei. Das Verfahren hängt davon ab, dass der Betroffene mit dem Konkursverwalter zusammenarbeitet. Weigert er sich, kann der Konkursverwalter das Gericht darum ersuchen, die Insolvenz zu verlängern, bis er sich eine Übersicht über die Besitzverhältnisse gemacht hat.

Eigentlich hätte Beckers Insolvenz bereits am 21. Juni enden sollen. Doch bereits im Mai beantragte der Insolvenzverwalter, die Frist zu verlängern. Er erklärte, Becker habe ihm Informationen über sein Vermögen vorenthalten. So fehlten ihm etwa Informationen zu zwei Immobilien in Deutschland und Anteile an drei Mercedes-Autohäusern. Zudem seien mehrere Trophäen Beckers spurlos verschwunden.

Kurz darauf erklärte Becker, er genieße wegen seines Attaché-Postens für die Zentralafrikanische Republik diplomatische Immunität. Er sei "ungemein stolz" auf seinen Posten, ließ der dreifache Wimbledon-Gewinner damals wissen.

Im Juni gelang es Becker, per einstweiliger Verfügung die Versteigerung von mehr als 80 persönlichen Gegenständen (darunter Pokal-Nachbildungen, eine Goldene Kamera und ein Bambi sowie Tennis-Socken) zu stoppen, deren Wert auf etwa 200.000 Pfund (umgerechnet etwa 224.000 Euro) geschätzt wird. Diese Gegenstände könnten nun bald verkauft werden.

Becker bestritt in den vergangenen Monaten immer wieder, pleite zu sein. Er habe seine Schuld bereits beglichen. Das Verfahren bezeichnete er als "Farce". Die Ansprüche der Bank basierten auf Wucherzinsen, die diese von ihm "weder rechtskräftig noch rechtswirksam" verlange. Er kündigte an, er werde die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Dazu, dass Becker jetzt zu dem Verfahren nicht erschienen ist, sagte sein deutscher Anwalt, Becker sei "niemals ordnungsgemäß zu dem Gerichtstermin geladen" worden. Außerdem sei schon länger bekannt, dass sich Becker nicht mehr auf den Diplomatenstatus berufe. Es habe um diesen Punkt einfach zu viel Ärger gegeben. Dem :gerlachreport sei dank.

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