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Autark

Knoll und Kühn: Das tolldreiste Betrüger-Pärchen

Mit faulen Tricks sollen nicht genehmigte Aktien frisches Geld in die Kasse spülen

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Mittendrin statt nur dabei: Der umtriebige Professor Dr. Heinz-Christian Knoll drückt auch schon mal beide Augen zu, wenn es um richtigen Betrug geht. Er lässt sich seine Dienste auch teuer bezahlen

Das dürfte für Prof. Dr. Heinz-Christian Knoll ein schwerer Gang zum Dekan werden. In der Fakultät Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig begleitet man das Treiben des geschäftstüchtigen Lehrers seit Monaten mit "Bauchschmerzen". Ist der Professor ein Betrüger?

Nimmt man alle Fakten und Vorkommnisse der letzten Wochen und Monate, dann fällt die Antwort leicht. Prof. Dr. Heinz-Christian Knoll, dem nicht nur engste Verbindungen zum kriminellen "Sachsensumpf" nachgesagt werden, ist der "Problemlöser" des deutschen Kapitalgrau- und Schwarzmarktes. Denn immer wenn die gewerbsmässigen Betrüger ein Gutachten benötigen, das die Anleger von sinnlosen Investitionen überzeugen soll, ist der Professor nicht weit.

Jüngster Fall: Für die "Autark Entertainment Group AG" hat Knoll ein System eines Aktienbetruges entwickelt, das in seiner Dreistigkeit kaum zu schlagen ist. Es ist ein Handbuch über die Kunst, mehr als 50 Millionen Euro unterschlagener Autark-Anlegergelder mit wenigen Handgriffen in einen Gewinn zu führen. Knoll, der auch als Rechtsanwalt sein Unwesen treibt, ist für solche Fälle "der richtige Mann" (O-Ton, Berufsverbrecher Stefan Kühn). Knoll hatte bereits in der Vergangenheit marode Unternehmen zu angeblich blühenden Geldvermehrungsmaschinen gemacht. Komisch nur, dass diese Unternehmen kurze Zeit später alle pleite waren.

Stefan Kühn, alias Stefan Koschate, berufsverbrechender Millionen-Abzocker, steht kurz vor seiner Verhaftung. Glaubt man seinen Darstellungen, dann konnten er und sein Düsseldorfer Rechtsanwalt Dr. Johannes Zimmermann (Thomas Deckers Wehnert Elsner) eine Inhaftierung Kühns und seiner Ehefrau Sabine bislang mit dem Hinweis vermeiden, dass "alle Anleger ihr Geld zurückbekommen und kein Schaden entsteht." Ein Wunder musste her: Professor Knoll machte praktisch über nacht aus der insolventen Autark-Gruppe ein blühendes Unternehmen von 55 Millionen Euro.

Professor Dr. Heinz-Christian Knoll nutzte die "CoActora AG" aus Bautzen und wandelte diese in die "Autark Entertainment Group AG" um. Die CoActora hat eine finstere Geschichte hinter sich, die gesondert erzählt werden wird. Nur soviel: Das Unternehmen gehörte zur kriminellen Four Gates AG und hat mehr Leichen im Keller als der Hauptfriedhof Dortmund.

Knoll schrieb dann ein 50-seitiges Gutachten, das der Redaktion vorliegt. Durch eine "Werthaltigkeitsbescheinigung" aus einem wertlosen und gepfändeten Autark-Konglomerat zauberte er ein Unternehmen mit 55 Millionen Euro. Hierfür stand Knoll ein "Integriertes Bewertungsmodell der TaM Betriebsgesellschaft mbH ("Theater am Marientor") für die Geschäftsjahre 2019 bis 2022 mit "Stand April 2019" zur Verfügung.

Und die "Jahresabschlüsse 2015-2017". Diese wurden nach allen Regeln der manipulativen Kunst frisiert. Unter Anleitung von Knoll zeichnen hier insbesondere Stefan Kühns Tochter Laura Koschate und ihr Vater verantwortlich - keine der Zahlen stimmt. Sabine Kühn hat als Geschäftsführerin wesentlich an den gefälschten Bilanzen mitgearbeitet. Laura Koschate arbeitet übrigens nach ihren Lehrjahren als Abzockerin in der Autark-Gruppe nunmehr im Büro von Professor Knoll. Ein Tor, der Böses dabei denkt.

Knoll hat das epische Meisterwerk an Fälschung und Manipulation dann an das Amtsgericht Dresden (HRB 27396) weitergeleitet. Die Kapitalerhöhung der jetzigen Autark Entertainment Group AG ist durch die geschickte Täuschung und das Testat des ehrenwerten Professors inzwischen in gutem Glauben durch das Gericht eingetragen.

Mit der Eintragung begann dann das neue Kapitel des gewerbsmässigen Betrügers Stefan Kühn. Zusammen mit seinen dubiosen Vertriebspartnern aus alten Zeiten wurden und werden jetzt Investoren und Anlegern Aktien der Autark Entertainment Group AG angeboten. Wertloser Plunder ohne Substanz.

Eine Genehmigung für den Aktienhandel des Unternehmens gibt es natürlich nicht. Die BaFin bestätigte auf Anfrage, dass auch ein entsprechender Antrag nicht vorliegt. Verantwortlich für diesen Antrag, so Stefan Kühn: Professor Dr. Heinz-Christian Knoll. Stefan Kühn verkündete in interner Runde, dass "bereits mehr als 15 Millionen Euro Investorenkapital durch den Verkauf der Aktien eingesammelt wurden".

Noch mehr Illegalität geht kaum.

Stimmen diese Zahlen, dann hat sich der Autark-Schaden inzwischen auf rund 70 Millionen Euro aufaddiert - unter den Augen der Dortmunder Staatsanwaltschaft und dem ermittelnden Staatsanwalt Arkadius Wyrwoll. Der kommt in wenigen Tagen aus dem Urlaub zurück. Rechtsanwalt Dr. Johannes Zimmermann (Stundenlohn: 500 Euro, bezahlt mit Autark-Anlegergeldern) dürfte dann schnell ins Erklärungsnot geraten. Dem Berufsverbrecher Stefan Kühn werden auch dann garantiert noch neue Lügen einfallen, die das Wunder erklären.

Die Antwort, ob Professor Knoll tatsächlich ein Betrüger ist, kann sich inzwischen jeder selbst beantworten. Unwahrscheinlich, dass sich die Universität so etwas leisten kann. Der Dekan wird es schon richten.


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