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OneCoin/OneLife

OneCoin: Ruja Ignatova hat 480 Millionen kassiert

Allein mehr als 380 Millionen Dollar stammen von dem Geldwäscher Mark S Scott

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Die amerikanischen Ermittler sind "sicher", dass sie die Kriminelle Dr. Ruja Ignatova "irgendwo auf dieser Welt fassen werden". Die OneCoin-Chefin ist mit falschen Papieren und neuen Namen abgetaucht

US-amerikanische Ermittler beziffern den Schaden durch den OneCoin-Betrug auf vier Milliarden US-Dollar - und das sei erst die Spitze des Eisbergs. Die Erfinderin des Betruges, Dr. Ruja Ignatova, hat demnach mehr als 480 Millionen Dollar kassiert. Hiervon stammen mehr als 380 Millionen von ihrem amerikanischen Geldwäscher Mark S Scott. Durch die Komplexität der Ermittlungen und den Richtlinien bei internationalen Strafverfahren kommt es erst jetzt zu den Verfahren. Und das Thema OneCoin/OneLife nimmt wieder Fahrt auf.

Eigentlich ist es ziemlich ruhig geworden um das Betrugsnetzwerk OneCoin/OneLife. Selbst der :gerlachreport hatte seine umfassende Berichterstattung über Ruja Ignatova und ihre kriminellen Partner auf das Nötigste dezimiert. In den Reihen des Netzwerkes wurden Nachrichten kolportiert, man habe "endlich den :gerlachreport zum Schweigen gebracht". Die ansonsten regelmässigen Morddrohungen und üblen Beschimpfungen waren stark zurück gegangen.

Dabei gab es hinter den Kulissen viel zu tun. Zahlreiche Fragen sind noch ungeklärt. Wo steckt Ruja Ignatova? Unter welchem Namen hat sie sich versteckt. :gerlachreport hatte berichtet, dass sie unter falschem Namen mit einem ukrainischen Pass abgetaucht ist und sich eigentlich in Europa und in Asien frei bewegen kann.

Viel wurde über die in Dubai ansässige OneCoin Ltd und die in Belize tätige OneLife Ltd (auch bekannt als OneLife Network) geschrieben und diskutiert. Das weltweit größte Betrugssystem in der Kryptoszene ist an einigen Stellen immer noch tätig. Anleger und Investoren werden von den selben Kanaillen über den Tisch gezogen, die polizeibekannt sind. Insbesondere in Österreich und in Italien sind Polizei und Staatsanwaltschaft nahezu untätig.

Unterdessen wird auch die Kritik an den US-amerikanischen Behörden immer lauter: Obwohl ein Betrug in Höhe von mehr als 4 Milliarden US-Dollar vorliegt, ist Ruja Ignatova immer noch auf freiem Fuß. Insider wissen, dass die USA über Techniken und Möglichkeiten verfügt, wie sie Kriminelle überall auf der Welt dingfest macht.

Und: Warum haben das US-Justizministerium, das Federal Bureau of Investigation (FBI) und das Department of the Treasury's Financial Crimes Enforcement Network keine einzige Mitteilung herausgegeben oder die Öffentlichkeit gewarnt? Von möglichen Verurteilungen ganz zu schweigen.

Bereits im September des vergangenen Jahres bestätigte ein US-Staatsanwalt einem Ermittlungs-Richter im Southern District of New York, dass OneCoin ein "internationales hybrides Ponzi-Pyramidenschema" sei, das die Opfer um rund 4 Milliarden Dollar betrogen habe.

"Es ist eine betrügerische Kryptowährung, die keine echte Blockchain hat. Die Untersuchungen haben auch ergeben, dass nahezu alle Investoren nicht in der Lage waren, ihr Geld zurückzuerhalten oder aus dem System zu nehmen. War das Geld erst einmal in die wertlosen Münzen investiert, war es weg. Nur einige wenige Investoren, die selbst Gelder eingeworben hatten, konnten aus den Provisionen Verluste abdecken", sagt Julieta Lozano. Die Staatsanwältin weiter: "Es ist ein gezieltes Betrugsprogramm, das nur deshalb funktioniert, weil in der Pyramide jeder verdienen konnte. In der Folge gab es aber immer mehr Opfer."

Nur der US-amerikanische Anwalt Mark S Scott (Florida), ehemaliger Partner der internationalen Anwaltskanzlei Locke Lord, soll rund 400 Millionen Dollar über ein Netzwerk von Hedgefonds, Bankkonten auf Cayman Island und Unternehmen in Irland gewaschen zu haben. Diese Gelder stammen von OneCoin. Hiervon will er nur etwas mehr als 15,5 Millionen US-Dollar eingenommen haben.

Anfang dieses Monats erhielt Scott eine Vorladung der Grand Jury, die "eine Vielzahl von OneCoin-Dokumenten" anforderte. Diese Vorgehensweise ist bei großen Strafverfahren üblich. Scott ist bereits angeklagt, aber gegen Kaution auf freiem Fuß.

Scott versucht, sich auf das Fifth Amendment der Verfassung der Vereinigten Staaten zu berufen. Es sichert "das verfassungsmäßige Recht einer Person, sich zu weigern, Fragen zu beantworten oder anderweitig gegen sich selbst auszusagen." Nutzen wird ihm dieser übliche Vorgang bei der weiteren strafrechtlichen Bewertung indes nicht. Scott soll mehr als 380 Millionen US-Dollar an Raja Ignatova und ihr Team überwiesen haben.

Im vergangenen November hatten thailändische Ermittler in Zusammenarbeit mit Interpol bereits den schwedischen Staatsbürger Sebastian Greenwood festgenommen. Er gilt als die "Nummer 2" hinter der deutsch-bulgarischen Chefin Ruja Ignatova. Greenwood wird vorgeworfen ein illegales "digitales Währungspyramidenschema" betrieben und beworben zu haben. Mit seiner Auslieferung in die USA wird "zeitnah gerechnet".

Schon :gerlachreport hatte vor Monaten berichtet, dass Europol, Interpol und die deutsche Finanzaufsichtsbehörde BaFin aktiv die laufenden Ermittlungen gegen OneCoin koordinieren und internationale Maßnahmen gegen das Organisierte Verbrechen ergreifen. OneCoin/OneLife steht auch direkten Beziehungen zur bulgarischen Mafia. Führende Köpfe der Regierung sind Teil der internationalen Ermittlungen. Hinter den Kulissen torpedieren sie zumindest in ihrem Hoheitsgebiet die Arbeit von Staatsanwaltschaften und Polizei.

Die deutsche BaFin war eine der ersten Behörden, die auf die Aktivitäten von OneCoin mit einer Unterlassungsanordnung im April 2017 reagierte. Bis heute gibt es eine Nachrichtensperre: "Wir geben keine Kommentare zu laufenden Ermittlungen jeglicher Art", heißt es aus der Behörde. Tatsächlich genießt OneCoin/OneLife aber wegen der "enormen Schäden" auch für Kleinanleger und Rentner eine "Sonderrolle bei den Ermittlungen", heißt es gegenüber :gerlachreport.

Die Europol-Sprecherin Claire Georges: "Ich kann bestätigen, dass Europol an der laufenden Untersuchung beteiligt ist. Aber ich kann Ihnen keine weiteren Details nennen. Europol hat eine unterstützende Funktion."

Interpol mit Sitz im französischen Lyon, berief bereits im vergangenen Jahr internationale Sitzungen seiner neuen Arbeitsgruppe "Darknet und Kryptowährung" ein. Auch hier wird offiziell über die weitere Vorgehensweise gegen OneCoin noch geschwiegen, um die weiteren Ermittlungen nicht zu gefährden.

In Neuseeland hat die Finanzmarktaufsicht erneut eine Verwarnung ausgesprochen: "Wir empfehlen äußerste Vorsicht, bevor Sie mit OneLife oder OneCoin investieren, da wir befürchten, dass sie die Merkmale eines Betrugs aufweisen, einschließlich der Zurückhaltung von Kundengeldern und der Versprechen unrealistischer Renditen." Viele Neuseeländer investieren im asiatischen Raum.

Mehr als drei Dutzend weiterer Länder haben seit 2017 Warnungen ausgesprochen oder Verfahren eingeleitet.

Dutzende Verfahren gegen OneCoin-Verantwortliche in Indien und China machten die Runde. "Das sind alles kleine Lichter", sagt ein Ermittler bei einem Hintergrundgespräch mit dem :gerlachreport in New York. "Wir wussten auch, dass Ruja Ignatova, ihr Bruder und die ganze Bande in Bulgarien eine wichtige Rolle spielen. Aber wir brauchten mehr. Folge dem Geld. Mit Scott und Greenwood sind wir ganz nahe am Ziel. Ignatova wird uns nicht entwischen. Es war wichtig, die Verfahren in die USA zu bekommen, weil hier ganz andere Möglichkeiten der Strafverfolgung auch im Ausland existieren. Das ist uns jetzt gelungen." Das US-Justizministerium ermittelte demnach bereits seit 2017 gegen OneCoin.

Die Verzögerung könnte auf die Zuständigkeit zurückzuführen sein, sagt Julie Myers Wood, ehemalige Leiterin der Abteilung Immigration and Customs Enforcement des US Department of Homeland Security. Die USA müssen eine klare Zuständigkeit festlegen, bevor sie handeln, und andere Länder werden gerne darauf warten, dass dies geschieht.

"Sobald jemand wegen eines Verbrechens vor einem amerikanischen Bundesgericht angeklagt wird, haben die USA eine extrem starke Verurteilungsquote und entsprechend hohe Strafen", sagt Wood.

"Die US-Behörden waren viel früher mit den Ermittlungen betraut, als die Öffentlichkeit dachte. Eine Ermittlung beträgt in der Regel mehrere Jahre für bundesstaatliche Wirtschaftssachen und Finanzfälle. Der Durchsetzungsrahmen und die Anforderungen an eine Strafverfolgung sind je nach Vollzugsbehörde unterschiedlich."

Wood fügte hinzu: "Es ist auch wichtig, dass die USA andere Beweisstandards haben als jene Länder, die den OneCoin-Betrug ermitteln. Deshalb sind die Strafverfolgungen dort auch längst nicht so konsequent und die ausgesprochenen Strafen sind in der Regel sehr viel niedriger als in den USA."

Im Klartext: Werden Scott und Greenwood verurteilt, liegt das Straf-Mindestmaß bei 25-50 Jahren. Und für jede Tat (felony) gibt es ein eigenes Strafmaß.

Das ist dann lebenslänglich.

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