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OneCoin

Ruja Ignatova plante OneCoin-Betrug von Anfang an

Ermittler werten geheime E-Mails der Kryptoqueen aus: "Nimm das Geld und lauf!"

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"Nimm das Geld und lauf! Und gib jemand anderem die Schuld dafür." Ruja Ignatova hat ihre eigene Unternehmensstrategie konsequent befolgt

Amerikanische Ermittler haben vertrauliche E-Mails der Kryptoqueen Ruja Ignatova ausgewertet. Sie ist der Kopf des Milliardenbetrugs von OneCoin/OneLife. Danach war bereits kurz nach der Gründung des Unternehmens der Betrug "beschlossene Sache", so die Ermittler. Ignatova habe "detaillierte Pläne entwickelt", wie die Millionen verschwinden sollen. In einer E-Mail heißt es: "Nimm das Geld und lauf und gib jemand anderem die Schuld dafür". Genau das ist nach ihrem Verschwinden geschehen. Wahrscheinlich hatte sie jedoch nicht damit gerechnet, dass es auch ihren Bruder erwischen würde.

Eines der größten Verfahren gegen OneCoin/OneLife findet derzeit in new York statt: Mark S. Scott ist als Finanzjongleur des OneCoin/OneLife-Betrugssystems angeklagt, ein zentraler Kopf der tausendfachen Abzockerei zu sein, bei der weltweit mehr als eine Milliarde Euro gestohlen wurden. Jetzt wurde die Anklage gegen ihn sogar noch erweitert: Bankbetrug. Scott bekannte sich "nicht schuldig".

In rund einem Monat soll der aufsehenerregende Prozess gegen Scott in New York beginnen. Dabei werden auch die E-Mails von Ruja Ignatova zur Sprache kommen, die klare Anweisungen für Scott und die Führungsmannschaft beinhalten. Zunächst war gegen ihn nur wegen Geldwäsche ermittelt worden. Nach Auswertung der Unterlagen und weiterer Beweismittel, die aus Europa zur Verfügung gestellt wurden, ist die Anklage jetzt massiv erweitert worden.

Nach bisherigen Erkenntnissen wird Scott mit einem Schaden von mehr als 400 Millionen Dollar in Verbindung gebracht. Ermittler fanden heraus, dass der Rechtsanwalt im Auftrag von Ignatova und anderen mehrere Private-Equity-Fonds auf den British Virgin Islands betrieb und Anlegergelder über die Kayman-Inseln Richtung Irland geflossen sind.

300 Millionen Dollar, so die Ermittler, wurden dann an die Bank of Ireland weitergeleitet. Scott habe bei diesen Geldgeschäften dann Unterlagen gefälscht und die Bank über die tatsächliche Herkunft der Gelder belogen. Das ist nach Ansicht der Ermittler kein Kavaliersdelikt. Bankbetrug wird in den USA mit zusätzlich bis zu 50 Jahren Gefängnis geahndet.

Die amerikanischen Ermittler sind unterdessen mit ihrem Versuch gescheitert, die verantwortlichen Bankmitarbeiter aus Dublin persönlich im Verfahren aussagen zu lassen. Die Bank of Ireland hat benantragt, dass die Mitarbeiter über eine Standleitung aussagen dürfen. Angeblich lägen "persönliche Gründe" für das Nichterscheinen vor. Das hat in New York bei den Staatsanwälten für Verärgerungen gesorgt. Tatsächlich haben sie keine Chance die Zeugen in den USA zu vernehmen, wenn diese sich weigern.

Beobachter des Verfahrens halten es aber auch für möglich, dass sich die bank of Ireland unangenehme Fragen stellen lassen muss. des ist kaum vorstellbar, dass sie internen Warnsignale der Bank durchgängig versagt haben sollen.

Ob sogenannte "Closed Circle"-Vernehmungen stattfinden, ist ungewiß. Sie werden in der Regel nur bei Terrorismus-Prozessen angewendet. Die Aussage der Verantwortlichen der Bank ist aber entscheidend für sämtliche weiteren Verfahren gegen die OneCoin/OneLife-Verantwortlichen. In Dublin liegen nach jüngsten Erkenntnissen immer noch mehr als 300 Millionen Dollar Anlegergelder.

Scott ist mit seinem Versuch gescheitert, einen Teil seiner Aussagen zu widerrufen. Er hatte argumentiert, dass bei seinen Vernehmungen durch das FBI kein Anwalt anwesend gewesen sei und daher seine Rechte verletzt wurden. Das Gericht lässt diese Aussagen jedoch zu, was als empfindliche Niederlage für Scott gewertet wird. Das Gericht argumentierte, dass Scott als Anwalt sehr wohl in der Lage gewesen sein muss, seine Aussagen und die Folgen absehen zu können.

Diese Aussagen haben eine direkte Wirkung auf das Verfahren gegen Konstantin Ignatov, der in New York weiterhin in Untersuchungshaft sitzt. Seine Schwester, die Kryptoqueen Ruja Ignatov ist abgetaucht und unter falschem Namen auf der Flucht (:gerlachreport berichtete).

Nach bisherigen Erkenntnissen wurden Investoren und Anleger im Rahmen eines illegalen Pyramidensystems um Milliarden betrogen. Ruja führte das Unternehmen bis zu ihrem Verschwinden Ende 2017. Dann übernahm ihr Bruder Konstantin Ignatov die Führung.

Die jetzt ausgewerteten E-Mails belegen zudem, dass OneCoin mit der "ausschließlichen Absicht gegründet wurde, Investoren zu betrügen", heißt es in einem Zwischenbericht der Ermittler, der :gerlachreport vorliegt. Die Unterlagen und Werbemittel des Unternehmens täuschten zudem vor, dass OneCoin einen tatsächlichen Wert habe. Tatsächlich handelt es sich bei OneCoin nicht um eine Kryptowährung.

Investoren erhielten zudem gefälschte OneCoins, die nicht in einer Blockchain oder einem digitalen Ledger existieren. Konstantin Ignatov habe zudem die ewige Leier seiner Schwester wiederholt, dass OneCoin ein "Initial Public Offering" vorbereite. Heute stehe fest, dass "das nie geplant war". Das würden auch die ausgewerteten E-Mail beweisen.

Ruja Ignatova, die in Deutschland einschlägig wegen Betrugs vorbestraft ist, hat ihre eigene Unternehmensstrategie konsequent befolgt: "Nimm das Geld und lauf! Und gib jemand anderem die Schuld dafür." Genau das hatte auch Konstantin vor. 

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