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Autark

Selbstmordversuch: Ärzte kämpfen um Sabine Kühn

Stefan Kühn hat seine Frau „gezielt und mit Heimtücke“ in den Selbstmord getrieben

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Sabine Kühn vor „Ihrem“ Theater am Marientor in Duisburg. Da glaubte sie noch daran, dass alles gut wird und dass der Erfolg alle Kritik übertünchen wurde. Als für sie der letzte Vorhang fiel, wusste sie, dass das alles nur ein Traum war

Drama um Sabine Kühn: Die ehemalige Chefin des Duisburger „Theater am Marientor“ liegt nach einem Selbstmorversuch auf der Intensivstation. Das erfuhr :gerlachreport aus der Familie. Den Ehemann, Berufsverbrecher Stefan Kühn, kümmert es offenbar nicht: „Das interessiert ihn doch eh nicht!“, sagt Sohn Henrik, der zusammen mit seinem kleinen Bruder Maximilian im Krankenhaus an der Seite der Mutter wacht. „Ich kümmere mich jetzt um meinen kleinen Bruder“, sagt er, „den Vater interessiert das alles einen Scheiß.“

Berufsverbrecher Stefan Kühn hat seine Frau seit nunmehr einem Jahr „gezielt, vorsätzlich und mit Heimtücke“ in den Selbstmord getrieben. Daß es letztlich nur ein Versuch wurde, ist dem Glück zuzuschreiben. Sabine Kühn stand ihm im Weg zu seinen neuen Wegen des Verbrechens, die ihn aus dem Autark-Dilemma führen sollten.

Bereits vor einem Jahr hatte der Permanentganove Stefan Kühn seine Frau in ihrem Urlaub als Chefin des Duisburger „Theater am Marientor“ gefeuert. Von einem Tag auf den anderen. Es kam zu unschönen Szenen, gerichtlichen Auseinandersetzungen und zu einer Krise, die letztlich in eine Scheidung einmündete. Das Theater hatte bis zu diesem Zeitpunkt eine bis dahin nie gekannte Erfolgsgeschichte geschrieben. Selbst Neider mussten das zugeben. Sabine Kühn: „Das Theater ist und war mein Leben.“

Seit 18 Jahren ist die Ehe von Sabine und Stefan Kühn ein Auf und Ab. Sie stand zu ihm, als er in der Schweiz wegen Betrugs im Knast saß. Offiziell sei er in einer Klinik, log sie, damit auch der gemeinsame Sohn Maximilian nicht zum Mobbing-Opfer wurde. Nach der Entlastung wieder Strafhaft. Dieses Mal in Deutschland. Doch sie stand zu ihm. Verzieh ihm seine Liebschaften, seine Puffbesuche.

Aus Stefan Koschate wurde Stefan Kühn - ein Neubeginn für die Familie. Ein Neubeginn für das Geschäft. Eine Harmonie, die trog. Permanentganove Kühn entwickelte zusammen mit seinem alten Partner Jörg Schneider das Autark-Betrugssystem. Mit seinem Vertriebs-Talent und einem vermeintlich guten Produkt wurden schließlich Millionen eingesammelt. Bis der Schwindel aufflog.

Was Sabine Kühn von den Betrügereien ihres Mannes wusste oder nicht, muss jetzt die Staatsanwaltschaft klären. Stefan Kühn nutzte Sabine für seine Geschäfte. Sabine Kühn: „Es lief eigentlich alles prima. Das Geschäft lief und Stefan berichtete regelmässig von den guten Ergebnissen und davon, wieviel Geld er verdient hat.“ Als klar wurde, dass die gesamte Autark-Gruppe das Ergebnis der Lügen von Stefan Kühn war, versuchte sie das Schlimmste zu verhindern: „Ich habe nur an die Anleger gedacht und daran, wie man ihnen das Geld zurückzahlen kann. Mit guten, ehrlichen Geschäften.“

Daß dieses Geld aber ausschließlich aus Betrügereien, illegalen Provisionszahlungen, Geldwäsche, Abzocke von Autark-Anlegern und Lügen war, daran mochte sie nicht glauben. Erst, als er sie vor einem Jahr feuerte, ging ihr ein Licht auf: Sie wurde von der Helferin „zum Opfer gemacht“, wie sie es selbst beschreibt. Als sie den Betrug nicht mehr decken wollte und sie auch die „Geldwäsche, die über das Theater betrieben werde sollte“ nicht wollte, feuerte er Stefan Kühn die eigene Ehefrau.

Sein korrupter Rechtsanwalt Jens Walther, ebenfalls tief in die Geldwäsche und den Betrug verstrickt, über nahm den juristischen Teil der Beleidigungen, Einschüchterungen und falschen Behauptungen, um Sabine Kühn fertig zu machen. Das mündete sogar darin, dass er sich nicht entblödete zu schreiben, Sabine Kühn habe aus dem Theater eine Suppenkelle gestohlen.

Aber irgendwie stellte sich das Engagement der neuen Theaterchefin Andreas Friedrich als Problem heraus. Die hatte sich mit seiner Kenntnis 60.000 Euro aus der Theaterkasse genommen. Und wurde genau deshalb gefeuert. Sabine Kühn kam zurück. Sie war glücklich, für ihn war es die Wahl zwischen Pest und Cholera. Er brauchte jemanden, der seine Autark-Schweinereien vertuschte. Sabine Kühn war dazu nicht bereit. Mit dem Musical „Wahnsinn“ war Abend für Abend das Theater ausgebucht. Ein ordentliches Geschäft, es war so etwas wie Alltag eingezogen.

Stefan Kühn kam sogar wieder nach Hause und spielte den verliebten Ehemann und treusorgenden Vater. Aber das alles war, wie alles im Leben des Permanentverbrechers Fassade: „Dann tauchte plötzlich Adele Raschke auf“, erzählte Sabine Kühn vor ihrem Selbstmordversuch, „alles änderte sich von einem Tag auf den anderen“. Autark-Pausenclown Jörg Schneider sollte auf Veranlassung von Stefan Kühn bestätigen, dass Sabine Kühn „in die Klapse gehört“. Was dieser auch tat. Jörg Schneider ist eine moralische Wildsau. Sabine Kühn wurde erneut gefeuert und durch den verurteilten Betrüger Wolfgang de Marco ersetzt.

Sabine Kühn wusste und weiß zu viel. Das bedeutet Gefahr. Also übernahm Adele Raschke die Aufgabe der Erpresserin. Sie bedrohte Sabine Kühn. „Ich habe Angst vor dieser Frau“, sagt sie später. Raschke will Dinge wissen, die sie gar nicht wissen kann. Oder die Stefan Kühn ihr verraten hat, um seine Frau unter Druck zu setzen.

Sie drohte mit Strafanzeigen, wenn Sabine Kühn das „Eigentum“ von Stefan Kühn nicht herausgebe. Sie drohte mit Strafanzeigen, wenn Sabine Kühn nicht den Mund hält. Sie drohte zusammen mit Stefan Kühn, dass „albanische Schläger sie besuchen“. Sabine Kühn wusste, wozu ihr Mann fähig ist.

Adele Raschke ließ sich in unglaublichen Geschäftsvorgängen sämtliche Autark-Immobilien überschreiben und drohte mit Zwangsvollstreckungen gegen Sabine Kühn. Die mittellose Kreditbetrügerin Raschke tauchte sogar persönlich bei Sabine Kühn auf, um sie zu bedrohen: „Ich war ganz unten angekommen“, sagt sie, „das Schlimmste war für mich, wie mein Mann mit mir und meinem Sohn umgegangen ist.“

Adele Raschke machte sich, wohl weil sie das Gefühl gut kennt, einen Spaß daraus, auf die Mittellosigkeit von Sabine Kühn hinzuweisen. Ihre gemeinen Nachrichten und E-Mails sind Ausdruck von Hinterhältigkeit, Menschenverachtung und der Lust an der Zerstörung.

Dann die Autark-Razzia: Neun Polizeibeamte nehmen Sabine Kühn alles weg, was in ihrer Wohnung irgendwie nach Wert aussieht. Plötzlich steht sie ohne Auto, ohne ihre privaten Sachen und mit 115 Euro in der Tasche da. Stefan Kühn, der seit Wochen weder Unterhalt noch sonstige Rechnungen bezahlt, kümmert es nicht. Der Kontakt zum gemeinsamen Sohn Maximilian existiert schon lange nicht mehr. Der Vater beantwortet nicht einmal mehr seine Nachrichten.

„Ich glaube, ich bringe mich um“, sagte sie vor wenigen Tagen. Das sagt man mal, wenn die Probleme besonders groß sind und man die Lust am Leben verliert. Wenn Perspektiven verloren gehen oder man nach 18 Jahren Festellen muss, dass alle Versuche aus einem Berufsverbrecher einen anständigen Menschen zu machen, fehl schlagen. Gehört haben es alle, ernstgenommen niemand.

Der Selbstmordversuch der Sabine Kühn ist kein Hilferuf. Er ist eine Abrechnung mit einem Mann, der nur Betrug und Verbrechen kennt. Er ist eine Manifestation der Erkenntnis, dass der Traum Autark ein Fassade war, die in den vergangenen Monaten zusammenbrach und als Ergebnis die häßliche Fratze eines Stefan Koschate übrig ließ.

So ein Leben wollte Sabine Kühn nicht mehr leben.

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