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Kryptowährungen

Wall Streets Problem mit den Kryptowährungen

Für die Finanzwelt ist der Einstieg in die Krypto-Welt riskant - es gibt keine Kontrolle

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Für die Finanzwelt ist der Einstieg in die Krypto-Welt riskant. Schließlich kann die Wall Street die Programmierer der virtuellen Währungen nicht kontrollieren

Der 18. August 2008 geht in die Geschichte ein: Turbulenzen an der Wall Street, Notverkäufe, Bankenkrise. Es ist der Tag, an dem Satoshi Nakamoto die Webseite bitcoin.org registrierte, auf der er zwei Monate später das mittlerweile weltbekannte Konzeptpapier zur ersten Kryptowährung Bitcoin veröffentlichte. Ob er eine Ahnung hatte, dass die US-Banken im Herbst in eine tiefe Krise stürzen würden, bleibt Spekulation, genauso wie die wahre Identität des Bitcoin-Erfinders.

Bis heute ist unklar, wer sich hinter diesem Namen verbirgt und ob es nur eine Person ist oder gar eine Gruppe von Programmierern. Klar ist jedoch, dass Nakamotos Version von virtuellem Geld das Ziel hatte, das traditionelle Finanzsystem zu ersetzen, weil es dank der unterliegenden Blockchain-Technologie ohne Mittler wie Banken auskommt.

Der Plan ist jedoch nicht aufgegangen, wie man heute, zehn Jahre später, feststellen kann. Die Wall Street ist wieder so stark und so mächtig wie vor der Finanzkrise. Statt vom Bitcoin und anderen Kryptowährungen verdrängt zu werden, machen sich die etablierten Institute die Technologie und die neuen Währungen zu eigen und wollen daraus Profit schlagen.

Zudem ist der Hype um die Kryptowährungen ist nur wenige Monate nach dem Allzeithoch wieder abgekühlt. Erst Anfang der Woche gab wieder heftige Kurseinbrüche. Der Bitcoin fiel zum ersten Mal seit Juni unter die Marke von 6000 Dollar, hat sich seitdem jedoch wieder leicht erholt. Der aktuelle Kurs dümpelt bei knapp unter 6.500 US-Dollar.

Die zweitgrößte Währung Ether sank sogar auf 255 Dollar, und war damit zum ersten Mal seit ihrer Erfindung weniger wert als ein Jahr zuvor. Auch hier ging es in den vergangenen Tagen wieder aufwärts. Ein Ether zuletzt 300 Dollar.

Die Verzahnung zwischen alter und neuer Finanzwelt könnte schwieriger sein als gedacht und stellt beide Seiten vor ein Dilemma. Zum einen ist das Interesse und das Engagement der Wall Street eine willkommene Bestätigung für die Kryptowelt. So könnte sich eine Reihe neuer Investoren für Bitcoin und Co. begeistern, was wiederum die Preise in die Höhe treiben könnte. Es hilft der jungen und lange Zeit unregulierten Branche auch, die vielen Betrüger durch zunehmende Regulierungsvorschriften loszuwerden, was wiederum das Vertrauen in die Krypto-Anbieter stärkt.

Zum anderen jedoch schafft die Wall Street mit ihren Derivaten zusätzliche Möglichkeiten, um auf die Preise von Bitcoin und später anderen virtuellen Währungen zu wetten. Damit hebelt sie jedoch einen wichtigen Aspekt aus: Satoshi hat in das Bitcoin-System einen Seltenheitsfaktor einprogrammiert. Es werden nur 21 Millionen Bitcoin jemals produziert werden.

Ähnlich wie bei Gold sind die Ressourcen also knapp. Derivate, wie Bitcoin-Futures stören jedoch dieses System. Sie können den Seltenheitsfaktor wieder aufheben. Mit den im Dezember gestarteten Bitcoin-Futures der Chicagoer Börsen CME und CBOE können Investoren auf den Bitcoin-Preis wetten, ohne Bitcoin tatsächlich zu besitzen. Interessanterweise begann der anhaltende Bärenmarkt kurz nachdem der Handel mit den Futures an den beiden etablierten Börsen begann. Der Bitcoin hatte am 17. Dezember 2017 sein Allzeithoch von 20.000 Dollar erreicht.

Die Bitcoin-Pläne des Börsenbetreibers ICE haben zudem weiter auf die Preise gedrückt. Der zweitgrößte Börsenbetreiber der Welt hatte Anfang August angekündigt, über die neue Tochter Bakkt in den Handel mit Bitcon-Futures mit physischer Lieferung einsteigen zu wollen. Das heißt, dass nach dem Auslaufen des Kontrakts tatsächlich Bitcoins ausgeliefert werden. Zudem will Bakkt eine Plattform gründen, um Unternehmen den Umgang mit Kryptowährungen zu erleichtern. Viele haben gedacht, dass der Bitcoin-Preis darauf hin steigen wird. Das ist er aber nicht.

Wie sich dieses Dilemma lösen lässt, ist derzeit unklar. Krypto-Entrepreneure glauben weiter daran, dass sich die Preise von dem nun schon acht Monate anhaltenden Bärenmarkt erholen werden. „Schon früher gab es heftige Preiseinbrüche“, sagt Erik Voorhees, Chef der Kryptobörse Shapeshift. „Die Branche nutzt diese ruhigeren Zeiten, um sich besser für die Zukunft aufzustellen und an neuen Produkten zu arbeiten.“

Für die Finanzwelt ist der Einstieg in die Krypto-Welt riskant. Schließlich kann die Wall Street die Programmierer der virtuellen Währungen nicht kontrollieren. Sollten sich etwa die Mehrheit der Bitcoin-Coder und -Schürfer für eine völlig neue Version der Kryptowährung entscheiden, im Fachjargon spricht man hier von einer „Fork“, dann könnten die Derivate auf die alte Bitcoin-Version schnell wertlos werden.

Die Fans einer engeren Verzahnung der beiden Welten warten unterdessen auf ein weiteres Wall-Street-Produkt. Eine ganze Reihe von Anbietern will sogenannte Bitcoin-ETFs auf den Markt bringen. Die Wertpapieraufsicht SEC hat bislang jedoch noch keine Genehmigung für diese börsennotierten Fonds erteilt.

Erst Ende Juli hatte sie ein Produkt der Kryptobörse Gemini zum zweiten Mal abgelehnt, was die Preise weiter unter Druck gebracht hatte. Weitere Entscheidungen der SEC stehen aus. Marktbeobachter glauben, dass sich die Behörde bis 2019 Zeit lassen wird.

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