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Scam

Wie Kunden in Fake-Shops abgezockt werden

Kein Witz: Mehr als eine Million „aktiver Fake-Shops“ - Sportschuhe Favorit

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Fake-Shops sind auf den ersten Blick in vielen Fällen nicht von seriösen Internet-Shops zu unterscheiden

Gefälschte Internet-Shops breiten sich derzeit massiv im Internet aus. Es ist ein neues Geschäft mit der Glutgläubigkeit. Faktum ist: Verbraucher werden massenhaft um ihr Geld betrogen. Diese Fake-Shops sprießen derzeit wie Unkraut aus den Tiefen des Internets. Die Umtriebe sind so groß, dass inzwischen sogar Untersuchungen von Verbraucherschützern und „Marktwächtern“ durchgeführt werden - so kann man dann zumindest artig die Statistiken vorweisen. Den Opfern wird so natürlich kaum geholfen. :gerlachreport nennt die Fakten.

Nach dieser Statistik sind bereits mehr als 4,4 Millionen Bundesbürger schon einmal Opfer von Fake-Shops geworden. Belege für diese Zahlen gibt es freilich nicht - die Wahrscheinlichkeit gibt den Forschern aber recht. Mehr noch: Die Dunkelziffern dürften sogar nich viel höher liegen. Denn viele Betrogene zeigen gar nicht an, dass sie über den Tisch gezogen wurden. Und sei es nur aus Scham und aus Angst vor dem Spott.

Denn Fake-Shops sind auf den ersten Blick in vielen Fällen nicht von seriösen Internet-Shops zu unterscheiden. Angeboten werden Waren aus allen Bereichen: Sportartikel und Sportschuhe sind der Renner. Vor allem von bekannten Marken, die gerade „in“ sind. Aber auch Haushaltsartikel, Bekleidung, Elektroartikel oder Fahrräder finden reißenden Absatz. Auch hier stehen bekannte Markenartikel im Mittelpunkt.

Anders, als noch vor ein paar Jahren, sind die aktuellen Fake-Shops hochprofessionell gemacht. Sie sehen aus, wie reguläre Internet-Shops, mit hochwertigen Produktfotos und Artikelbeschreibungen. Diese sind oftmals direkt von den Originalseiten entnommen. Die meisten Fake-Shops haben auch ein Impressum mit Kontaktadresse. Allerdings sind diese Daten gefälscht.

Ermittler sagen, dass es „schwierig geworden ist so einen Fake-Shop zu erkennen“. Die Qualität habe in den vergangenen Jahren „massiv zugenommen“. Der Betrug sei „professionell“. Der Schaden geht weit in den zweistelligen Millionenbereich. Der Verbraucher wird geschickt getäuscht: Das Impressum enthält alle wichtigen Informationen, auch eine Steuernummer und alle wichtigen Angaben. Was der Verbraucher nicht ahnt: Alles Fälschung.

In vielen Fällen werden Personendaten von echten Personen benutzt, die nichts von ihrem „Glück“ wissen. Zudem werden inzwischen auch Siegel von „Trusted Shops“ und anderen Prüforganisationen übernommen. Dazu kommen die Symbole der unterschiedlichen Zahlungsmethoden und Anbieter. Tatsächlich verbirgt sich dahinter aber keineswegs eine Zahlungsmöglichkeit. Es ist schlicht Fassade.

Viele Fake-Shops haben auch eine deutsche Internetadresse mit der Endung .de. Verbraucher glauben, dass das ein besonderes Gütezeichen ist, das Sicherheit vermittelt. Weit gefehlt: Recherchen haben ergeben, dass sich hinter den Registrierungen Tarnnamen oder falsche Personen verbergen. Bei der Registrierung werden nämlich keine Ausweispapiere benötigt. Die zentrale Domain-Registrierungsstelle Denic hat zudem die Kontrollen für die Verbraucher massiv eingeschränkt. Die Domainbesitzer sind kaum noch zu ermitteln.

Eine aktuelle Untersuchung geht derzeit von mehr als einer Million „aktiver Fake-Shops“ aus. Intern wird bei den Ermittlern sogar davon gesprochen, dass dieses „nur die Spitze des Eisberges“ sei. Eine genauere Untersuchung von 5.000 Fake-Webseiten hat ergeben, dass davon (4.425) in Deutschland als .de-Domain registriert sind.

Fake-Shops existieren nur einige Wochen. Wenn sich die Anzeigen und Beschwerden häufen, werden die Seiten geschlossen – und kurz danach neue Shops unter neuer Adresse ins Netz gestellt.

Als Bezahl-Methode bieten Fake-Shops ausschließlich Vorkasse an. Einige Shops werben zwar damit, dass eine Bezahlung auch über Paypal („Käuferschutz“) möglich sei. Wenn man aber versucht, die Bezahlung über Paypal zu tätigen, wird im letzten Schritt darauf hingewiesen, dass diese Bezahlmethode „aus Sicherheitsgründen“ im Moment nicht zur Verfügung stehe. Daraufhin wird der Käufer gebeten, stattdessen per Vorkasse zu bezahlen.

Die Bezahlung erfolgt auf ein deutsches Konto. Diese Konten werden meist bei Onlinebanken per Video- oder Postidentverfahren eröffnet. Auch hierfür nutzen die Betreiber falsche Identitäten oder gefälschte Ausweise, um Konten auf einen falschen Namen zu eröffnen. Post- und Video-Identverfahren bieten jedoch keine hundertprozentige Sicherheit.

Bankkonten, die unter falschen Identitäten eröffnet wurden, werden im Darknet offen gehandelt. Die Täter nennen sie „Bankdrops“. Auffällig viele dieser illegalen Bankdrops werden von der deutschen Online-Bank „Fidor“ betrieben. Bankdrops kosten derzeit zwischen 600 und 900 Euro pro Bank-Account.

Fidor weiß bescheid: „Wir kennen das Problem und versuchen, das zu verhindern. Wir versuchen ständig, unser Online-Banking noch sicherer zu machen. Wenn wir einen Verdacht haben, erstatten wir sofort Anzeige“. Wie viele Anzeigen das Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten tatsächlich gestellt hat und wieviele Fälle bei der Staatsanwaltschaft landeten, darüber wird geschwiegen. Aus gutem Grund - der Betrug ist ein gutes Geschäft für die Bank.

Den Ganoven und Abzockern genügen die Online-Zugangsdaten, um die Einnahmen der Fake-Shops dann auf andere Konten weiter zu leiten. Fidor übermittelt die Zugangsdaten zum Konto per E-Mail. Das geht schnell und unkompliziert. Eine Kontrolle gibt es natürlich auch hier nicht.

Das Geld des Betruges wird in vielen Fällen sofort in Bitcoins gewechselt. So schauen die Ermittler, wenn sie dann rund ein Jahr später die Akte bearbeiten, erst recht in die Röhre. Der Kampf gegen den Betrug basiert auf einer Schnelligkeit, die in den deutschen Ermittlungsstuben schon wegen der Strukturen und Unterbesetzung nicht zu leisten ist. Entsprechend niedrig ist die Aufklärungsquote.

Manchmal haben die Ermittler aber auch Glück. Denn die Täter hinterlassen immer die selben Spuren: Ein aktuelles Strafverfahren am Landgericht Baden-Baden zeigt, welchen Schaden ein einzelner Täter verursachen kann. Der Angeklagte soll zahlreiche Fake-Shops im Internet betrieben haben. Er soll unter anderem Haushaltsgeräte, Elektronikartikel oder Babybedarf zum Kauf angeboten haben. Die Ware soll allerdings nie ausgeliefert worden sein.

Abgewickelt wurden die Zahlungen laut Anklage in den meisten Fällen über die Fidor-Bank. Um seine Identität zu verschleiern soll der Angeklagte das Geld meist sofort in Bitcoins gewechselt und dann weiter verschickt haben. Es soll insgesamt mehr als 1.400 Geschädigte geben – die Schadenssumme beträgt fast eine Million Euro.

Ein Tropfen auf dem heißen Stein der Fake-Shops. Denn wirklichen Schutz gibt es tatsächlich nicht. Fast nicht: Viele eingeführte Geschäfte bieten ihren Kunden die Online-Bestellung an. Darauf kann man sich verlassen.

Meistens.

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